Verslaven

Ein Blog von mit für über unter um … Slaven

Jeder schön für sich!

Ich rede von Satzteilen im Slowenischen. Da bin ich gerade drüber gestolpert.

Hab in meiner neu erstandenen slowenischen Bibel gelesen und dachte „Halt mal. Was ist das denn?“ Da stand …

Tedaj je odšlo deset Jožefovih bratov, da bi nakupili žita v Egiptu.

Was ich nicht gerafft hab, war dass da erst – wie gewohnt – im Genetiv Einzahl (je odšlo deset) gezählt wird und es dann aber mit „normalen“ Plural (bi nakupili) weitergeht.

Nicht verzagen, Ute fragen. Die sagt „Stimmt schon. Hat mir … neulich erklärt …“.

Ist das bei euch anderen Slawen auch so?

Juni 30, 2007 - Verfasst von Christian | Grammatik, Slowenisch, Sprache | | 15 Kommentare

15 Kommentare »

  1. Scheint mir aber komisch, dass žito (Getreide) hier im Genitiv steht, Plural kann es hier eigentlich fast nicht sein. „10 seiner Brüder sind gegangen, um des Getreides zu kaufen?“ Vielleicht deswegen, weil es schon ein wenig länger her ist, dass dieses Buch verfasst wurde? ;-)
    Sind in dem Fall eigentlich eher Mengenangaben statt Satzteile. Eigentlich unterscheidet Slowenisch nicht nur zwischen Singular, Dual und Plural. Wenn eine Mengenangabe dabei ist nämlich zwischen Singular, Dual, Plural (<5) und Plural(>=5).
    Um das Ganze auf die Spitze zu treiben:
    Wenn die Brüder sich noch nicht sicher gewesen wären, ob sie denn das Zeug mitnehmen, dann müsste man auch noch ein anderes Verb (nakupovati) nehmen, da ein Ergebnis nicht ganz sicher ist. Klingt jetzt eher nach Schwestern beim Schuhe kaufen ;-) , aber ich hoffe, dass meine Erinnerungen an dieses dunkle Kapitel slowenischer Grammatik noch korrekt sind.

    Kommentar von Dietmar | Juni 30, 2007 | Antworten

  2. @dietmar
    >žito / žita
    Hab ich mich auch erst gewundert. Unsere These: nakupiti funktioniert mit drugi sklon.

    >länger her
    2005 find ich nicht so lange. Aber du hast schon ein bisschen recht. Leider gibt es in Slowenien keine Übersetzungen/Übertragungen (wie in D-Land die „Hoffnung für Alle“ oder „Gute Nachricht Bibel“), die aktuellem Sprachgebrauch angepasst sind …
    Grammatisch dürfte die SSP (slovenski standardni prevod) aber Astrein sein.

    >Mengenangabe, Satzteil
    hää? Also das Thema mit den Mengenangaben hatten wir ja schon längst. Es ging mir darum, dass die grammatische Form (Genitiv weil mehr als 5) nicht im zweiten Satzteil durchgezogen wird.

    >hätte, würde, … nakupovati
    Du meinst die geschichte mit dovršni/nedovršni. Das wäre auch mal ein schönes Thema für sich. Weil es ja auch sowas schön Slawisches (… ich nehme einfach mal an, dass das nicht nur im Slowenischen so ist …) ist, was man mit Deutsch oder Englisch nicht wirklich vergleichen kann.
    Ich würde sagen, dass hier eindeutig das Ergebnis und nicht der Prozeß betont ist … egal ob es hinhaut oder nicht. Die wollten das Zeug ja nicht als Souvenir. Die hatten Kohldampf. Also dovršni … wie es ja auch da steht. ;)

    Ich leider kein Hebräisch-Experte, aber könnte wetten, dass die da auch was ähnliches haben. Markus?

    Kommentar von Christian | Juni 30, 2007 | Antworten

  3. Erstens: manche Verben im Slowenischen kann man mit Genitiv- oder Akkusativobjekt verwenden, wobei Genitiv als veralterter (aber korrekt!) gilt. Beispiel: učiti se … slovenščine (Gen) / slovenščino (Akk). Im Bibeltext und ähnlich gehobeneren Textsorten erwarte ich stets „klassischere“ Ausdrucksweisen und würde immer auch Genitiv erwarten, wo dieser erscheinen kann.
    Zweitens: die genaue Regel kenne ich nicht, aber sagen wir doch mal, dass es sehr unnatürlich ist, 10 Menschen mit Einzahl zu quälen, wenn die Zahl 10 nicht unmittelbar davor steht, um ihre Macht auszuüben. :-)

    Kommentar von alcessa | Juni 30, 2007 | Antworten

  4. @alcessa
    Schön gesagt … und gut erklärt

    Kommentar von Christian | Juni 30, 2007 | Antworten

  5. Hurra, hier is ja mal wieder Leben in der Bude! :-)

    Kommentar von melly | Juli 1, 2007 | Antworten

  6. >länger her
    die Bibel wurde sicher nicht erst 2005 geschrieben ;-) – auch neuere Übersetzungen würden sicher nicht so gut aussehen, wenn man versuchen würde, alles restlos in den heutigen Sprachgebrauch zu transferieren. Hmm, „10 Brüder haben über Internet in Ägypten Backmischungen bestellt“ :mrgreen:

    >Mengenangabe, Satzteil
    ich denke, es wird deswegen nicht im zweiten Satzteil durchgezogen, weil es im Slowenischen ein Nebensatz ist. Die Mengenangabe wird nicht in den Nebensatz übernommen. Im Nebensatz muss man aus dem Kontext erschließen, wer – bzw. wieviele – gemeint sind.

    Dass Genitiv eine ältere Ausdrucksweise ist, deckt sich mit der Vermutung, die ich schon hatte.

    Kommentar von Dietmar | Juli 2, 2007 | Antworten

  7. >länger her
    Naja, wenn du das meinst müssen wir wo ganz anders anfangen. Die Bibel wurde ja schließlich nicht auf Slowenisch geschrieben. Und wenn man übersetzt hat man schon eine gewisse Bandbreite von Möglichkeiten. Schließlich soll man ja verstehen, was da steht. Sonst bräuchte man ja keine Übersetzung.
    Deinen Vorschlag könntest du evtl. in der Volxbibel (http://www.volxbibel.de/) wiederfinden. ;)
    Wie gesagt, in Deutschland gibt es ne echt große Auswahl an Übersetzungen und Übertragungen.

    Sonst hat Alcessa ja schon alles gesagt.

    Kommentar von Christian | Juli 2, 2007 | Antworten

  8. „Ich leider kein Hebräisch-Experte, aber könnte wetten, dass die da auch was ähnliches haben. Markus?“
    Jo, also in diesem Fall steht da ein Verb, das einfach „Getreide kaufen“ heißt. Es steht hierbei in einer finalen Infinitivkonstruktion „um Getreide zu kaufen“. Ich würde tendieren, dass das Ergebnis betont ist, da eindeutig die Absicht, es zu kaufen erwähnt ist (Also nicht schoppen gehen, sondern kaufen).

    Kommentar von kairos | Juli 2, 2007 | Antworten

  9. nachtrag:
    am ‘getreuesten’ wäre es also es mit Infinit auszudrücken. Im Polnischen heißt es in einer Übersetzung: „aby tam nakupić zboża“. Damit musst du kein Pronomen oder sonst ein Subjekt einschieben.

    Kommentar von kairos | Juli 2, 2007 | Antworten

  10. @kairos
    Vielen Dank auch …

    Kommentar von Christian | Juli 2, 2007 | Antworten

  11. aber immerhin mal wieder erstaunlich, wie ähnlich die slawischen Sprachen untereinander doch sind.

    aby – da bi (vermute ich) – am ehesten „um“
    tam – tam – dort
    nakupić – nakupit – (ein)kaufen
    zboża – žita – is zwar jetzt anders, aber könnte immerhin die gleiche Genitiv-Endung sein

    Wenn ich eine Veranstaltung in Derendingen inhaltlich noch recht im Kopf habe, dann waren immerhin dank Trubar die Slowenen die ersten Slawen, die eine Bibelübersetzung bekommen haben.

    Kommentar von Dietmar | Juli 2, 2007 | Antworten

  12. zboże/zboża heißt allgemein Getreide
    żyto/żyta wäre dann die entsprechende Getreidesorte (Weizen? oder Gerste?).

    Kommentar von kairos | Juli 3, 2007 | Antworten

  13. @kairos:
    (Weizen? oder Gerste?)
    knapp daneben ;-)
    eben über exalead auf die polnische Wikipedia gestoßen und dort dann den link für Deutsch angeklickt: Roggen (slowenisch: rž, nicht zu verwechseln mit riž)

    Kommentar von Dietmar | Juli 10, 2007 | Antworten

  14. ja ja, mach mich nur fertig ;-)

    Kommentar von kairos | Juli 14, 2007 | Antworten

  15. @kairos und dietmar
    :lol:

    Kommentar von Christian | Juli 14, 2007 | Antworten


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