Gute alte Zeiten?
Es hat sich schon herum gesprochen, dass viele Ex-Jugoslawen dem “Balkan” nachtrauern würden, meistens nicht als Wunsch, die guten alten Zeiten mögen zurückkehren, sondern einfach nur als innerer Seufzer “Ach, waren das gute Zeiten.“
Ich kann wirklich nicht behaupten, mir ginge es auch so, im Gegenteil, aber ich habe vor kurzem dennoch einen Überblick über die Yugo-Musikszene meiner Jugend verfasst (auf Englisch, in meinem Blogger-Blog) und diesen Bericht möchte ich hier auf Deutsch wiedergeben.
Es war ein wenig auch harte Arbeit: ich habe intensiv bei Youtube nach Videos gesucht und viele auch gefunden (die allermeisten Links führen zu Youtube-Videos) und beim Zuhören dachte ich manchmal: „Uff, das war aber echt schlimm.“ Meistens jedoch: „Wau, hatten WIR Spaß und gute Musik.“
Ich nehme mal an, euch sind die allgegenwärtigen „Glück- und Wunschsendungen“ auch ein Gräuel. Wenn nicht, bitte diesen Absatz überspringen. In Slowenien heißen sie übrigens „Unsere Zuhörer grüßen und gratulieren“ und man kann für ein bisschen Geld der Welt und den so exponierten Verwandten Sachen kundtun, zum Beispiel „unserer lieben Mutti, möge sie immer so fleißig sein, aber für einen Moment die Arbeit ablegen und dem hier lauschen, liebe Grüße, deine lieben Söhne“
So habe ich meine Kindheit im Glauben verbracht, Spaß haben heißt Suppe mit Nudeln, Schweinebraten mit Bratkartoffeln, Salat mit Sonnenblumenöl und, der Höhepunkt, die Gruß- und Wunschsendung – jeden Sonntag nämlich. Zuhören, was andere Leute so alles wünschen.
Doch allmählich ging ich dann doch fremd: irgendwann flatterte die erste MC aus der fernen Welt des Klassenfeindes ins Haus: es war aber nur Shakin Stevens. Und sonntags hat sich dadurch nichts geändert: es gab immer genug zahlende Kunden, die ihren Mitmenschen was Gutes wünschen wollten.
Jugoslawien nahm mit großer Begeisterung am Eurovision Song Contest teil und die Teilnehmer konnten sich in der Regel des dauernden Ruhmes sicher sein, oft auch unabhängig von der Qualität ihrer Songs. Die ganz Klugen wussten zum Beispiel genau, dass man mit ein paar englischen Zeilen international am weitesten kommt.
Zum Glück blühte südlich von Alpen eine sehr lebendige Rock-Szene, die aber hier unmöglich sachgerecht dargestellt werden kann. So enthielt meine erste 501 Levi’s eine MC von Parni Valjak als Zugabe, einer sehr beliebten Gruppe. Das war auch die Zeit der ersten Tanzpartys und Discos, es wurde mitgetanzt, mitgesungen, mitgefeiert … Was das Zeug hielt, halt.
Heute? Schon lange nicht mehr. Aber das gehört nimmer hierher.
Neue Kategorie – bitte Meinung sagen
Hallöchen,
ich habe heute während eines Spazierganges an die Zeiten gedacht, als ich noch eine Brieffreundin aus der Slowakei hatte. Und da dachte ich mir, wir bräuchten eine Kategorie für Nostalgie (schöner Reim) – ein Slawenblog kann doch nicht ohne, oder? Da aber das Wort Ostalgie nicht-slawisch belegt ist, dachte ich an Slavostalgie. ABER: Nur, wenn ihr auch denkt da könnte man was dazu schreiben. Alleine möchte ich nicht nostalgisch sein, frau wirkt dann doch älter als sie ist
(= ich bin kein extrem nostalgischer Mensch und ich fühle mich ausgesprochen wohl in der Gegenwart, aber manchmal kann man da schon Geschichten erzählen). Außerdem sollte es eigentlich eine Kategorie für jegliche Arten von Nostalgie sein…
Nun?
Einen schönen Sonntag noch.
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